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101 δύο
δύο, zwei; Sanskr. dva, dvâu, Lat. duo, Umbr. du-r, Goth. tvai F. tvôs N. tva, Kirchenslav. dŭva, Lit. du, dvi, Curtius Grundz. d. Griech. Etymol. 1, 204. Bei Homer finden sich nur die Formen δύο und δύω, rein nach dem Versbedürfniß abwechselnd, aber beide, so oft auch der Dichter das Wort gebraucht, fast nur als nom. oder accus.; den genit. u. den dativ. vermeidet Homer merkwürdiger Weise. Er verbindet das Wort mit dem dual. u. mit dem plural., rein nach dem Versbedürfniß abwechselnd. Beispiele: – 1) nominat.: Iliad. 12, 95 υἷε δύω, 13, 499 δύο ἄνδρες, Odyss. 15, 412 δύω πόλιες, Iliad. 18, 507 δύω τάλαντα. – 2) accusat.: Odyss. 9, 90 ἄνδρε δύω, Iliad. 5, 572 δύο φῶτε, 22, 210 δύο κῆρε ϑανάτοιο, 21, 145 δύο δοῦρε, 3, 116 δύω κήρυκας, 20, 269 δύω πτύχας, vs. 271 τὰς δύο (πτύχας) χαλκείας, δύο δ' ἔνδοϑι κασσιτέροιο, Odyss. 9, 74 δύω νύκτας δύο τ' ἤματα, 10, 142 δύο τ' ἤματα καὶ δύο νύκτας. – 3) genitiv. und dativ.: Iliad. 13, 407 δύω κανόνεσσ' ἀραρυῖαν (ἀσπίδα); Odyss. 10, 515 πέτρη τε ξύνεσίς τε δύω ποταμῶν ἐριδούπων; Iliad. 10, 253 παρῴχηκεν δὲ πλέων νύξ | τῶν δύο μοιράων, τριτάτη δ' ἔτι μοῖρα λέλειπται. Den letzten Vers hielten Zenodot, Arislophanes Byz. u. Aristarch nach dem Zeugnisse der scholl. für unächt, und Aristarch nahm namentlich auch an dem genit. δύο Anstoß: οὐχ Ὁμηρικὸν δὲ καὶ τὸ »τῶν δύο«. οἱ δύο μὲν γὰρ λέγει καὶ τοὺς δύο, τῶν δύο δὲ ἢ τοῖς δύο οὐκ ἔστιν εὑρεῖν παρ' Ὁμήρῳ. Ζηνόδοτος οὐδὲ ἔγραφεν, Ἀριστοφάνης ἠϑέτει. Von diesen Sätzen gehört das über δύο Gesagte einem Scholium des Aristonic. an, die letzte Bemerkung über Zenodot und Aristophanes dem Didymus. Friedländer schreibt in seiner Ausgabe des Aristonic. auch diese didymeische Notiz unbedenklich dem Aristonicus zu. Bei Odyss. 10, 515 giebt es kein Alexandrinisches Scholium, bei Iliad. 13, 407 ein Scholium des Didymus, welches den dativ. κανόνεσσ(ι) als Aristarchische Lesart bezeugt: ἐκ πλήρους αἱ Ἀριστάρχου κανόνεσσι, d. h. Aristarch schrieb in seinem Texte das I mit hin und überlies das Elidiren dem Leser. Man kann die beiden Verse 406. 407 ohne Störung des Zusammenhanges weglassen, und eben so den Vers Odyss. 10, 515; man kann aber auch Odyss. 10, 515 δυοῖν schreiben und Iliad. 13, 407 δυσίν oder δυσί oder ebenfalls δυοῖν. – Als Bezeichnung einer unbestimmten geringen Anzahl steht Iliad. 2, 346 ἕνα καὶ δύο, Einen oder Zwei. Aehnlich Odyss. 5, 484 ὅσσον τ' ἠὲ δύω ἠὲ τρεῖς ἄνδρας ἔρυσϑαι. – Iliad. 10, 224 σύν τε δύ' ἐρχομένω, καί τε πρὸ ὁ τοῦ ἐνόησεν ὅππως κέρδος ἔῃ wird von Neueren so aufgefaßt, als ob σύν mit δύο zu verbinden sei, Tmesis statt σύνδυο, vgl. Odyss. 9, 429 σύντρεις αἰνύμενος und Odyss. 14, 98 οὐδὲ ξυνεείκοσι φωτῶν ἔστ' ἄφενος τοσσοῦτον; aber Aristarch verband Iliad. 10, 224 das σύν zunächst nicht mit δύο, sondern mit ἐρχομένω, Schol. Aristonic. σύν τε δύ' ἐρχομένω: ἡ διπλῆ πρὸς τὸ σχῆμα, ὅτι ὅμοιόν ἐστιν ἐκείνῳ, »ἄμφω δ' ἑζομένω ( Iliad. 3, 211)«, συνερχόμενοι δύο ἀντὶ τοῦ συνερχομένων. ἔνιοι δὲ μὴ νοήσαντες τὸ Ν προςτιϑέασι, κακῶς. Man beachte, daß bei der von Aristarch verworfenen Lesart ἐρχομένων das δύο Genitiv wäre. – Folgende: Xen. Hell. 3, 5, 20 δύο ἢ τρεῖς; ähnlich Theocr. 14, 45 δύο allein = wenige, ein Paar; – εἰς δύο, je zwei, Xen. Cyr. 7, 5, 17; – δύο ποιεῖν τὴν πόλιν, die Stadt entzweien, durch Aufruhr theilen, Arist. pol. 5, 9; – τὰ δύο μέρη, zwei Drittheile, Thuc. u. A. – Die ep. u. jamb. Dichter brauchen δύο u. δύω nach Bedürfniß des Verses; letztere Form findet sich nicht bei Pind., aber bei andern Lyrikern, nicht in den Tragikern u. in attischer Prosa, wo δύο die herrschende Form ist, wie bei Her. – Gen. u. dat. δυοῖν überall; einsylbig gebraucht Soph. O. R. 640; – δυεῖν, von den Gramm. als attisch bezeichnet u. theils auf den gen., theils auf das fem. beschränkt, findet sich sicher in wenigen Stellen, bes. bei Plat., wo Schneider zu Rep. II p. 92 ff, zu vgl.; als dat. Thuc. 1, 20, aber Krüger δυοῖν; – dat. δυσί, Hippocr., u. von Arist. an gew. bei Sp., bei Thuc. 8, 101 zweifelhaft; – δυῶν, δυοῖσι, bei Her. u. Ion., nicht hinlänglich beglaubigt, s. aber Wesseling Her. 7, 106. – Indecl. findet es sich bei. Thuo., Xen. (An. 1, 2, 23, wo Krüger mehrere Stellen anführt), Pol. u. A., s. Zander Programm von Königsberg 1887 u. 45. – Subst. u. verb. stehen dabei oft im plur., bes. bei δύο u. bei Sp. Vgl. übrigens über die Formen, außer den Gramm., Lob. zu Phryn. p. 210.
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102 μεγαίρω
μεγαίρω (von μέγας, vgl. γέρας – γεραίρω und s. Buttm. Lexil. I, 259), eigtl. Etwas für groß od. für zu groß halten; – dah. Einem Etwas mißgönnen, als sei es zu groß für ihn, μέγηρε γάρ οἱ τόγε Ἀπόλλων, Il. 23, 865; Orak. bei Her. 1, 66; u. c. inf., μηδὲ μεγήρῃς ἡμῖν εὐχομένοισι τελευτῆσαι τάδε ἔργα, Od. 3, 55, vgl. H. h. Merc. 465; auch mit acc. c. inf., μνηστῆρας οὔτι μεγαίρω ἔρδειν ἔργα βίαια, Od. 2, 235. Dah. = aus Neid verweigern, versagen, beneiden, Δαναοῖσι μεγήρας, Il. 15, 473, κατακαιέμεν οὔτι μεγαίρω, die Todten zu verbrennen verweigere ich nicht, 7, 408, vgl. Od. 8, 206; οὐ μεγαίρω τοῦδέ σοι δωρήματος, ich beneide dich nicht um dieses Geschenk, Aesch. Prom. 629; ἐμέγηρέ μοι τόκοιο, Ap. Rh. 1, 289. In der Verbindung ἀμενήνωσεν δέ οἱ αἰχμὴν Ποσειδάων βιότοιο μεγήρας, Il. 13, 563, er misgönnte ihm das Leben des Antilochos, wollte ihm das Leben des Antilochos nicht preisgeben, fassen es Andere = er entkräftete das Geschoß, es von dem Leben des Antilochos abwehrend, weil er ihm die Erlegung desselben nicht gestatten wollte, dem Sinne nach richtig, aber an die Form des Satzes bei Hom. sich nicht anschließend; u. so ist auch Il. 4, 54, τάων (πόλεων) οὔτι ἐγὼ πρόσϑ' ἵσταμαι οὐδὲ μεγαίρω, zu nehmen, wie der folgende Vers zeigt, εἴπερ γὰρ φϑονέω τε καὶ οὐκ εἰῶ διαπέρσαι, οὐκ ἀνύω, aber der gen. hängt nur von πρόσϑε ab, und zu μεγαίρω ist τὰς διαπέρσαι zu ergänzen. – Ap. Rh. 4, 1670, ὄμμασιν ἐμέγηρεν ὀπωπάς, vom neidischen Blicke, dem zauberische Kraft zugeschrieben wird. – Sp. haben auch das pass., beneidet werden; so von Sardes gesagt πολὺς δέ με πολλάκις αἰὼν ἄστεσιν ὀλβίστοις εὗρε μεγαιρομένην, Maced. 32 (IX, 645).
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103 βιάζω
βιάζω, bewältigen, zwingen; Hom. acti v. Odyss. 12, 297 βιάζετε μοῦνον ἐόντα, Scholl. Aristonic. βιάζετε: Ζηνόδοτος βιάζεσϑ' οἶον ἐόντα, οὐ νοήσας, ὅτι ποιητικῶς ἐσχημάτισται, d. h. Zenodot habe nicht begriffen, daß Homer das Verbum βιάζεσϑαι, welches gewöhnlich allerdings medium (passivum) sei, hier ausnahmsweise einmal mit dichterischer Freiheit als activum conjugire; medium Iliad. 22, 229 Odyss. 9, 410 βιάζεται, passiv. Iliad. 11, 589 βιάζεται, 15, 727. 16, 102 βιάζετο, 11, 576 βιαζόμενον. Activ. Alcaeus com. B. A. 86 ἐβίασε (Meineke C. G. F. 2, 2 p. 833), und Spätere; passiv. das praes. Thuc. 1, 2. 77. 4, 10. 7, 84 Aeschyl. Ag. 1509 Soph. Ant. 66, das perf. βεβίασμαι Xen. Hell. 5, 2, 23, der aor. ἐβιάσϑην Xen. Hell. 7, 3, 9. Meist dep. med. βιάζομαι: 1) Gewaltanthun, bedrängen, zwingen; Demosth. Fals. leg. 206 οὐδὲν γὰρ πώποτ' οὔτ' ἠνώχλησα οὔτε μὴ βουλομένους ὑμᾶς βεβίασμαι; βιασϑέντες λύᾳ Pind. N. 9, 14; τινά Aesch. Spt. 1033 Ag. 768 u. sonst; γυναῖκα, ein Weib nothzüchtigen, Plat. Legg. IX, 874 c; Xen. Cyr. 2, 1, 34; vgl. Ar. Pl. 1092; ἀνϑρώπους, gewaltthätig behandeln, Xen. Mem. 2, 6, 24; ἑαυτόν, sich Gewalt anthun, sich tödten, Plat. Phaed. 61 d; oft Ggstz πείϑειν, z. B. Gorg. 517 d; τὰ σφάγια Her. 9, 41, Gewalt anthun, verletzen; νόμους Thuc. 8, 53; ἄλλοϑεν βιασϑέντες, mit Gewalt weggeführt, Xen. Cyr. 4, 5, 56. Oft wird ein inf. hinzugesetzt, Xen. An. 1, 3, 1, u. bes. Sp. – 2) erzwingen, mit Gewalt durchsetzen, τὰ σφάγια, günstige Vorzeichen, Her. 9, 41; τὸν ἔκπλουν Thuc. 7, 70; βιασάμενον ἐκπλεῖν 7, 67; βιασάμενος, mit Gewalt, Xen. An. 7, 8, 11; ὁ νόμος πολλὰ παρὰ τὴν φύσιν βιάζεται Plat. Prot. 337 d; vgl. Xen. Hell. 5, 3, 12. 6, 1, 4; εἴσω, mit Gewalt eindringen, Cyr. 3, 3, 69; vgl. 5, 5, 45; διὰ τῶν φυλάκων Thuc. 7, 83; πρὸς τὸν λόφον ἐλϑεῖν 7, 79; πρὸς τὸν λόφον Pol. 2, 67; τῆ πύλη 4, 18 u. öfter; πρόσω, vorwärts dringen, Plut. Pomp. 71; τὰς ναῦς, die Schiffe forciren, Thuc. 7, 23; vgl. 3, 20; πολεμίους Xen. An. 1, 4, 5, d. i. βίᾳ ἀπώσασϑαι. – Auch von der Rede, etwas behaupten u. eine Behauptung durchzusetzen suchen, νοητὰ ἄττα εἴδη – τὴν ἀληϑινὴν οὐσίαν εἶναι Plat. Soph. 246 b; vgl. Dem. 21, 205. – Von dem Styl, βεβιασμένα σχήματα, geschraubt, Dion. Hal. iud. de Thuc. 33, öfter.
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104 μεῖον
μεῖον, ονος, τό, neutr. zu μείων, comparat. von μικρός, kleiner. – Als subst. heißt so das Schaaf, welches an dem dritten Tage des athenischen Festes der Apaturien, κουρεῶτις, der Vater, wenn er seinen Sohn in die Register der φράτορες eintragen ließ, als Opfer u. Ehrengeschenk darbrachte; die VLL. u. Schol. Ar. Ran. 798 erkl. es dah., daß es ein bestimmtes Gewicht haben mußte, von den φράτορες gewogen wurde, und daß dabei es ein herkömmlicher Spaß gewesen sei, μεῖον, μεῖον, zu keicht, zu leicht! zu rufen; also μεῖον = κούρειον, s. μειαγωγός, μειαγωγέω. – Auch = μῆον, w. m. s.
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105 δμωή
δμωή, ἡ, die Sclavin; poët. = pros. δούλη; substantivirtes femin. eines, wie es scheint, in andern Formen wenigstens nicht mehr sicher nachweisbaren Adjectivs δμῳός, δμῳ. δμῳόν, welches Nebenform zu δμώιος. δμωία, δμώιον ist, dem Adjectivum von δμώς. Vgl. Τρώς, Τρώιος Τρωία Τρώιον, Τρῳός Τρῳή Τρῳόν, ἡ Τρωή die Trojanerinn: Iliad. 13, 262 δούρατα Τρώια; 23, 378 ἵπποι Τρώιοι; 23, 291 ἵππους Τρῳούς; 16, 393 ἵπποι Τρῳαί; 17, 255 Τρῳῇσι κυσίν; 5, 461 Τρῳὰς στίχας; 22, 57 Τρῶας καὶ Τρωάς, Trojaner und Trojanerinnen. Daß ἡ δμωή eigentlich und ursprünglich Adjectivum sei, zeigt auch wohl die bei Homer häufige Verbindung δμωαὶ γυναῖκες, s. z. B. Iliad. 6, 523 Odyss. 13, 66. Ob man auch das substantivirte ἡ δμωή mit dem Ι subscriptum schreiben solle, welches dem adjectivischen ἡ δμῳή jedenfalls gebührt, war schon im Alterthume zweifelhaft. Man vgl. mit den s. v. Δμώς abgedruckten Scholien zu Iliad. 19, 333 und zu Odyss. 7, 225 folgendes Scholium zu Odyss. 19, 121 μή τίς μοι δμωῶν νεμεσήσεται, welches doch wohl unläugbar aus Herodians Ὀδυσσειακὴ προσῳδία ausgezogen ist: μή τις μοι δμωῶν: δμωῶν σὺν τῷ Ι καὶ περισπωμένως, ϑηλυκὸν γάρ ἐστι. οὕτως Ἀρίσταρχος καὶ Ἡρωδιανός. Der s. v. Δμώς besprochene Vers Iliad. 19, 333 Odyss. 7, 225 kehrt Odyss. 19, 526 wieder, wo die Lesart δμῶας nicht überliefert ist, auch wohl nicht passend ist, da hier ein Weib. Penelope. die Worte spricht, κτῆσιν ἐμήν, δμωάς τε καὶ ὑψερεφὲς μέγα δῶμα, während Iliad. 19, 333 Achill und Odyss. 7, 225 Odysseus redet. Bei Homer kommt δμωή nur im plural. vor: nom. δμωαί, gen. δμωάων Odyss. 1, 435. 15, 25. 22, 396, δμωῶν Odyss. 19, 121, dat. δμωῇσι (ν), acc. δμωάς, vocat. δμωαί Iliad. 6, 376 Odyss. 18, 513. Ursprünglich bezeichnete δμωή wohl nur die im Kriege Gefangene und zur Sklavin Gemachte, s. z. B. Iliad. 18, 28 u. vgl. s. v. Δμώς. – Folgende Dichter; den sing. hat Qu. Sm. 5, 560. Selten in Prosa, Xen. Cyr. 5, 1, 6. – Vgl. δμωός.
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106 δεινός
δεινός (Wurzel Δι-, verwandt δίον, δίεσϑαι, δέος, δείδω), furchtbar; überhaupt Alles, was das gewöhnliche Maaß überschreitet u. dadurch Staunen od. Furcht einflößt, Plat. Lach. 198 b δεινὰ ἡγούμεϑα ἃ δέος παρέχει; oft bei Homer; z. B. δεινὸς ἀνήρ Iliad. 11, 654; δεινὰ πέλωρα Iliad. 2, 321; αἰγίδα δεινήν Iliad. 5, 739; die Scylla ist Odyss. 12, 119 ἀϑάνατον κακόν, δεινόν τ' ἀργαλέον τε καὶ ἄγριον οὐδὲ μαχητόν. οὐδέ τις ἔστ' ἀλκή· φυγέειν κάρτιστον ἀπ' αὐτῆς. – Zuweilen ist es so viel wie »außerordentlich«, »groß«, » gewaltig«; so kann man verstehen Iliad. 7, 245 δεινὸν σάκος; 10, 254 ὅπλοισιν δεινοῖσιν; Odyss. 7, 41 Athene δεινὴ ϑεός, 10, 136 Kirke δεινὴ ϑεός, 7, 246 Kalypso δεινὴ ϑεός; doch ist dabei zu beachten, daß Kalypso und Kirke ursprünglich Göttinnen der Unterwelt sind, Todesgöttinnen. – Zuweilen verbunden mit αἰδοῐος: Iliad. 18, 394 Thetis δεινή τε καὶ αἰδοίη ϑεός; 3, 172 αἰδοῖός τέ μοί ἐσσι, φίλε ἑκυρέ, δεινός τε; Odyss. 8, 22 ὥς κεν Φαιήκεσσι φίλος πάντεσσι γένοιτο δεινός τ' αἰδοῖός τε; 14, 234 καί ῥα ἔπειτα δεινός τ' αἰδοῖός τε μετὰ Κρήτεσσι τετύγμην. – Odyss. 22, 405 δεινὸς εἰς ὦπα ἰδέσϑαι; 16, 401 δεινὸν γένος βασιλήιόν ἐστιν κτείνειν. – Superlativ, Στυγὸς ὕδωρ, ὅς τε μέγιστος ὅρκος δεινότατός τε πέλει μακάρεσσι ϑεοῖσιν Odyss. 5, 186 Iliad. 15, 38. – Adverbial δεινόν, Iliad. 11, 10 ἔνϑα στᾶσ' ἤυσε ϑεὰ μέγα τε δεινόν τε ὄρϑια; 16, 138 δεινὸν δὲ λόφος καϑὐπερϑεν ἔνευεν; 3, 342 δεινὸν δερκόμενοι; Plural δεινά, Iliad. 15, 13 δεινὰ δ' ὑπόδρα ἰδὼν Ἥρην πρὸς μῠϑον ἔειπεν. – Sehr zweifelhaft ist Iliad. 7, 346 Τρώων αὖτ' ἀγορὴ γένετ' Ἰλίου ἐν πόλει ἄκρῃ, δεινὴ τετρηχυῖα, entweder »eine große«, oder »eine von Furcht und Schrecken erfüllte«, δεινός nicht wie sonst = »Furcht erregend«, sondern passivisch = »in Furcht gesetzt«. Auf jeden Fall ist hier δεινός ungeschickt gebraucht; diese Gegend der Ilias ist ein schlechtes Füllstück zwischen dem sechsten und dem siebenten Liede, s. Lachmann Betrachtungen über Homers Ilias S. 23. – Zuweilen wird eine kurze Sylbe vor δεινός im Verse lang gebraucht, Odyss. 3, 322 ἐπεὶ μέγα τε δεινόν τε, Odyss. 5, 52 ὅς τε κατὰ δεινοὺς κόλπους ἁλὸς ἀτρυγέτοιο ἰχϑῠς ἀγρώσσων πτερὰ δεύεται ἅλμῃ; dies erklärt man durch die Annahme, hinter dem δ von δεινός sei ein Consonant ausgefallen, F oder j, δFεινός oder δjεινός, s. Curtius Grundzüge der Griech. Etymol. 1, 201. 2, 225. An einigen Stellen ist die Kürze vor δεινός nicht lang gebraucht; Iliad. 15, 626 ἀνέμοιο δὲ δεινὸς ἀήτη, vgl. s. v. ἀήτη; Iliad. 8, 133 βροντήσας δ' ἄρα δεινὸν ἀφῆκ' ἀργῆτα κεραυνόν. Aus diesem Unterschiede auf ein verschiedenes Zeitalter der Stellen zu schließen ist unstatthaft. Die im Erlöschen begriffenen Laute F und j und was noch sonst von der Art gewesen sein mag, wurden in den Homerischen Zeiten in einem und demselben Worte beliebig gesprochen und nicht gesprochen. – Folgende: 1) schrecklich, entsetzlich; Pind. πόλεμος, στάσις, P. 2, 64 N. 9, 13; neben φοβερόν Her. 7, 120; πόλεμος Plat. Menex. 242 e. – 2) von Her. an τὸ δεινόν = die Gefahr; δεινὸν γίγνεται od. ἐστί, μή, es ist Gefahr vorhanden, es ist zu fürchten, daß, Her. 7, 157; δεινότατον τῷ δήμῳ, μή Andoc. 3, 1; οὐ δεινόν ἐστι, μή, es ist nicht zu fürchten, daß, Her. 1, 84; Plat. Gorg. 520 d; auf das Subject bezogen, δεινοὶ ἔσονται μὴ ἀποστέωσι, es wird zu fürchten sein, daß sie abfallen, Her. 1, 155; vgl. 7, 235; – δεινόν τι ἡγεῖσϑαι, etwas für ein Unglück halten; so auch δεινὸν ποιεῖσϑαι, Aufhebens machen, übelnehmen, Her. 8, 16. 1, 127. 3, 155 u. öfter, so daß ein inf. folgt; auch akt., Her. 3, 14. 5, 41; sich wundern, δεινὰ ἐποιοῦντο, πάσας τὰς ὀρχήσεις ἐν ὅπλοις εἶναι Xen. An. 5, 9, 11; sequ. εἰ Plat. Hipp. min. 363 c; Luc. Nigr. 34; ebenso ist δεινὰ πάσχειν gebraucht Dem. 51, 19; δεινῶς φέρειν, aegre ferre, Her. 2, 121, 3; – δεινῶς ἔχειν, in einer schrecklichen Lage sein, Xen. An. 6, 2, 23; – δεινὸν καὶ χαλεπὸν πάϑος Plat. Polit. 308 a; δεινὰ πάσχειν Gorg. 519 b u. sonst. – 3) außerordentlich, gewaltig, wie unser »furchtbar« im gew. Leben; ἵαερος, heftige Begierde, Her. 9, 3; ἔρως Plat. Theaet. 169 b; ἐπιϑυμίαι Rep. IX, 573 d; ϑηρευτής Conv. 203 d; – δεινὸν ἂν εἴη, das wäre doch stark, sonderbar, arg, Theaet. 184 d, u. öfter bei Att.; καὶ ἄλογον Plat. Theaet. 203 d; δεινὸν πρᾶγμα λέγεις, εἰ Euthyd. 298 c; – Her. vrbdt ἀνὴρ δ. καὶ ἀτάσϑαλος 7, 116; σοφὸς καὶ δ. 5, 23; so erhält es die Bdtg »ausgezeichnet«, auch im Guten, bes. von Plat. an; ἀκοντιστής Prot. 342 e; φύλαξ Rep. I, 334 a; ἰατροί, ῥήτορες, ἱππεῖς, die in ihrer Art tüchtig u. wirksam sind; bes. oft δεινὸς καὶ σοφός, von den Sophisten, περί τινος Crat. 424 c; oft mit leichtem Tadel od. Ironie, Klügler, Phil. 29 a; καὶ πανοῠργοι Rep. X, 613 b; Ggstz von ἰδιώτης Dem. 4, 35. – Auch c. inf., erfahren, gewaltig worin, λέγειν u. ä.; δεινὸς χρῆσϑαι τοῖς πράγμασιν, geschickt in Benutzung der Umstände, Dem. 1, 3; mit accus., τὰ τοιαῦτα δ. Plat. Conv. 198 d; τοὺς λόγους, τὴν τέχνην Euthyd. 304 d; περὶ τὸ ἀδικεῖν Rep. III, 405 c; περὶ Ὁμήρου, im Homer bewandert, Ion 531 a; δεινὸς ἐν λόγοις Timocles Ath. VIII, 341 f; κατὰ χειρουργίαν Ael. V. H. 3, 1. – Im Sittlichen steht es dem πανοῦργος entgegen, Arist. Eth. eud. 5, 12. – Das adv. δεινῶς ist oft nur = sehr, selbst bei adj., δ. μέλαινα Her. 2, 76.
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107 δια-μαρτυρία
δια-μαρτυρία, ἡ, das Zeugniß ablegen für eine Excepilon, für den Kläger, daß der Einwand des Verklagten ungültig, für den Verklagten, daß der Einwand gegen Einführung der Klage zulässig sei, vgl. Harpocr., Meier u. Schömann att. Proceß S. 639 – 644; Is. 3, 5; ποιεῖσϑαι πρὸς τῷ ἄρχοντι, Dem. 44, 1.
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108 δια-δείκνῡμι
δια-δείκνῡμι (s. δείκνυμι), 1) zeigen, darthun, Her. u. A. gew. mit folgdm ὅτι, ὡς, auch διαδεξάτω τις κηδόμενος, daß er sorgt, Her. 8, 118; τὴν ἀλκὴν ἀπρόςμαχον οὖσαν Plut. Arat. 9; u. pass., διαδεικνύσϑω πολέμιος ἐών, er sei für einen Feind erklärt, Her. 3, 72. – 2) intrans., διέδεξε, es war deutlich, es zeigte sich, Her. 2, 164. 3, 82 u. öfter.
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109 διάκτορος
διάκτορος, ὁ, öfters bei Homer. stets als Bezeichnung des Hermes, in folgenden Stellen: Versende nominativ. διάκτορος ἀργειφόντης ohne den Namen Hermes Iliad. 21, 497. 24, 339. 378. 389. 410. 432. 445 Odyss. 5, 43. 75. 94. 145. 8. 338. 24, 99; Versende dativ. διακτόρῳ ἀργειφόντῃ ohne den Namen Hermes Iliad. 2, 103; Ἑρμείαν μὲν ἔπειτα διάκτορον ἀργειφόντην Odyss. 1, 84; ἡ δ' ἔφη Ἑρμείαο διακτόρου αὐτὴ ἀκοῦσαι Odyss. 12, 390; Versanfang Ἑρμείαο ἕκητι διακτόρου Odyss. 15, 319; Ἑρμεία Διὸς υἱὲ διάκτορε, δῶτορ ἑάων Odyss. 8, 335. Ueber die Ableitung und Bedeutung des Wortes vgl. Buttmann Lexilog. 1, 217 sqq Nitzsch Anmerk. zur Odyss. 1, 84 Curtius Grundz. d. Griech. Etymol. 2. 227. Die wahrscheinlichste unter allen Erklärungen ist doch wohl noch immer die, daß διάκτορος, Nebenform zu διάκτωρ, von διάγω abzuleiten sei, ὁ διάγων τὰς ἀγγελίας, » der (Götter-)Bote«, s. Apoll. Lex. Hom. p. 58. 17. Zu dieser Erklärung stimmt auch das vortrefflich, daß die vorherrschende Verbindung bei Homer διάκτορος ἀργειφόντης ist; diese Verbindung erscheint bei Homer vierzehnmal ohne den Namen Hermes, einmal mit dem Namen Hermes, im Ganzen also fünfzehnmal; daneben giebt es nur noch drei vereinzelte Stellen, deren jede das Wort in einer andern besonderen Verbindung bringt. Also διάκτορος ἀργειφόντης als Versende ist die einzige stehende, alterthümliche Formel bei Homer. Es heißt aber nach der ohne Zweifel richtigen Erklärung alter Grammatiker ἀργειφόντης »der schnell und deutlich berichtende«, ὁ ταχέως καὶ τρανῶς ἀποφαινόμενος, vgl. s. v. ἀργειφόντης. Also διάκτορος ἀργειφόντης = » der schnell und deutlich berichtende (Götter) Bote«. – Hesiod. O. 68 Ἑρμείαν ἤνωγε διάκτορον ἀργειφόντην; vs. 77 ohne den Namen Hermes διάκτορος ἀργειφόντης Versende. – Homeric. hymn. Vener. 148 ἀϑανάτοιο δ' ἕκητι διακτόρου ἐνϑάδ' ἱκάνεις, Ἑρμέω; vs. 214 ohne den Namen Hermes διάκτορος ἀργειφόντης Versende; hymn. Mercur. 392 ζητεύειν, Ἑρμῆν δὲ διάκτορον ἡγεμονεύειν; vs. 514 Δείδια, Μαιάδος υἱέ, διάκτορε, ποικιλομῆτα. – Bei Callim. frg. 164 heißt die Eule δ. als Botin der Athene; der Adler Διὸς δ. Antp. Sid. 92 (VII, 161); Sp., wie Luc. cont. 1 auch = ψυχοπομπός. Bei Nonn. Paraphr. Io. übh. = Bote; adjectiv. ἔγχεα διάκτορα δηϊοτῆτος D. 39, 82. διάκτωρ, ορος, ὁ, dasselbe, Bian. (X, 101); VLL.
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110 δεῦτε
δεῦτε, ermunternder Zuruf, hierher, wohlan, adverb., aber wie ein plural. zu δεῠρο gebildet; s. Herodian. Μονήρ. λέξ. p. 27, 1; Apoll. lex. Homer. p. 57, 32 δεῠτε· ἄγετε δή. Man hat vermuthet, δεῦτε sei aus δεῠρ' ἴτε entstanden. Bei Homer ist δεῦτε ungleich seltner als δεῠρο. Als sehr bedenkliche var. erscheint δεῠτε in der Anrede an einen Einzelnen Odyss. 8, 145, δεῠτ' ἄγε καὶ σύ, ξεῖνε πάτερ, πείρησαι ἀέϑλων, bessere Lcsart δεῦρ' ἄγε, und Odyss. 8, 205, τῶν δ' ἄλλων ὅτινα κραδίῆ ϑυμός τε κελεύει, δεῦτ' ἄγε πειρηϑήτω, bessere Lesart δεῦρ' ἄγε. Mit dem singularischen ἄγε verbunden als Anrede an Mehrere Odyss. 8, 11, δεῦτ' ἄγε, Φαιήκων ἡγήτορες ἠδὲ μέδοντες, εἰς ἀγορὴν ἰέναι, ὄφρα ξείνοιο πύϑησϑε, vgl. Scholl. Mit dem dual. des Verbs als Anrede an Zwei Iliad. 22, 450, δεῠτε, δύω μοι ἕπεσϑον. In der Anrede an Mehrere mit dem plural. des Verbs, conjunctiv. hortativ.: Odyss. 2, 410 δεῠτε, φίλοι, ἤια φερώμεϑα; 8, 133 δεῠτε, φίλοι, τὸν ξεῖνον ἐρώμεϑα; Iliad. 14, 128 δεῦτ' ἴομεν πόλεμόνδε; mit ἄγετε Iliad. 7, 350 δεῦτ' ἄγετ', Ἀργείην Ἑλένην καὶ κτήμαϑ' ἅμ' αὐτῇ δώομεν Ἀτρείδῃσιν ἄγειν; mit einem imperativ., durch καί verbunden, Iliad. 13, 481, δεῠτε, φίλοι, καί μ' οἴῳ ἀμύνετε. Ohne Verbum, Anrede an Mehrere, Odyss. 8, 307, Ζεῠ πάτερ ἠδ' ἄλλοι ϑεοί, δεῠϑ', ἵνα ἔργα γελαστὰ καὶ οὐκ ἐπιεικτὰ ἴδησϑε. Aehnlich schrieb Kallistratos Odyss. 2, 410, Scholl. Didym Καλλίστρατος δεῦτε, φίλοι, ὄφ ρ' ᾖα φερώμ εϑα. Odyss. 8, 250 wird von Strab. 10. p. 473 mit δεῠτε angeführt, δεῠτ' ἄγε, Φαιήκων βητάρμονες ὅσσοι ἄριστοι, bessere Lesart ἀλλ' ἄγε. – Sp. D. u. N. T., wo, wie bei δεῦρο, nicht immer an ein Herkommen zu denken. – Vgl. noch Buttmann Lexil. 2. 227 ff, wo auch Einiges über δηῠτε.
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111 δαιτός
δαιτός, ἡ (entstanden aus ΔΑΊΤΣ, von δαίω, δαίνυμι), Gastmahl, Schmaus, Mahlzeit; sowohl die Handlung, als die Speise, wie z. B. Odyss. 10, 124 ἰχϑῠς δ' ἃς πείροντες ἀτερπέα δαῖτα φέροντο, 18, 279 ἀπάγουσι βόας καὶ ἴφια μῆλα, κούρης δαῖτα φίλοισι; Eur. Cycl. 247; beide Bedeutungen lassen sich nicht scharf sondern. Gegensatz das zu Hause Essen Iliad. 9, 487 ἐπεὶ οὐκ ἐϑέλεσκες ἅμ' ἄλλῳ οὔτ' ἐς δαῖτ' ἰέναι οὔτ' ἐν μεγάροισι πάσασϑαι. Plural δαῖτες Odyss. 20, 182, δαιτῶν 17, 220. 377, δαῖτας 1, 374. 2, 139. 11, 185. 22, 352. Unter den Epithetis, δαῖτ' ἐρατεινήν Odyss. 8, 61, δαιτὸς ἐπηράτου ἔργα Iliad. 9, 228, δαῖτα ϑάλειαν Iliad. 7, 475, δαιτὶ πιείρῃ Iliad. 19, 179, δαῖτ' ἀγαϑήν Odyss. 15, 507, δαιτὸς ἐσϑλῆς ἦδος Odyss. 18, 403, ἐρικυδέα δαῖτα Odyss. 3, 66, μενοεικέα δαῖτα Iliad. 9, 90, verdient besonders hervorgehoben zu werden ἐίση, δαὶς ἐίση, das gleichvertheilte Mahl, bei dem alle Theilnehmer eine gleiche Menge Fleisch und Wein erhalten, s. z. B. Iliad. 9, 225 Odyss. 8, 98. Zenodot erklärte, ohne Zweifel in seinem Glossarium (s. Sengebusch Homer. dissert. 1 p. 23), δαῖτα ἐίσην = τὴν ἀγαϑήν, Athen. 1, 21 Suid. s. v. δαιτὸς ἐίσης. Das Wort δαίς bezeichnet gleicher Weise die Mahlzeiten der Götter wie die der Menschen; vom Mahle der Götter im Hause des Zeus δαιτὸς ἐσϑλῆς Iliad. 1, 575; von demselben δαιτὸς ἐίσης Iliad. 15, 95. 1, 602. Oefters wird das Wort von den Opfermahlzeiten der Menschen gebraucht, bei denen die Götter als Gäste und Theilnehmer gedacht werden: Iliad. 1, 424 Ζεὺς γὰρ ἐς Ὠκεανὸν μετ' ἀμύμονας Αἰϑιοπῆας χϑιζὸς ἔβη κατὰ δαῖτα; Iliad. 4, 48 sagt Zeus in Bezug auf Ilios und Priamos οὐ γάρ μοί ποτε βωμὸς ἐδεύετο δαιτὸς ἐίσης, λοιβῆς τε κνίσης τε· τὸ γὰρ λάχομεν γέρας ἡμεῖς, vgl. 24, 69; daher heißt das Opfermahl ϑεοῠ δαίς oder ϑεῶν δαίς: Odyss. 3, 336 οὐδὲ ἔοικεν δηϑὰ ϑεῶν ἐν δαιτὶ ϑαασσέμεν; 8, 76 ὥς ποτε δηρίσαντο ϑεῶν ἐν δαιτὶ ϑαλείῃ; 3, 420 Ἀϑήνην, ἥ μοι ἐναργὴς ἦλϑε ϑεοῦ ἐς δαῖτα ϑάλειαν. Vom Fraße der Thiere wird das Wort nach der herrschenden Annahme bei Hom. nicht gebraucht. S. z. B. Cramer. Anecd. Paris. 4 p. 247. Dagegen hat man geltend gemacht Iliad. 24, 43 λέων δ' ἃς ἄγρια οἶδεν, ὅς τ' ἐπεὶ ἂρ μεγάλῃ τε βίῃ καὶ ἀγήνορι ϑυμῷ εἴξας εἶσ' ἐπὶ μῆλα βροτῶν, ἵνα δαῖτα λάβῃσιν. Aber Lehrs will Aristarch. p. 96 lesen εἶσ' ἐπὶ μῆλα, βροτῶν ἵνα δαῖτα λάβῃσιν. Sodann gehört hierher Zenodots Lesart Iliad. 1, 5 αὐτοὺς δὲ ἑλώρια τεῦχε κύνεσσιν οἰωνοῖσί τε δαῖτα, statt οἰωνοῖσί τε πᾶσι, Athen. 1, 21 Suid. s. v. δαιτὸς ἐίσης Eustath. Iliad. 1, 5 p. 19, 45. Wenn es in diesen Berichten heißt, Zenodot habe nicht gewußt, daß δαίς von Thieren bei Homer nicht gebraucht werde, so ist zu erinnern, daß Zenodot nach dem Zeugnisse des Aristonicus Scholl. Iliad. 1, 4 die beiden Verse Iliad. 1, 4 und 5 αὐτοὺς δέ ἑλώρια τεῦχε κύνεσσιν οἰωνοῖσί τε δαῖτα (πᾶσι) – Διὸς δ' ἐτελείετο βουλή als unächt verwarf, ohne Zweifel entweder allein oder unter Anderm des δαῖτα wegen: ein Umstand, den auch Lehrs Aristarch. p. 95. 164 nicht erwähnt. Man kann aber annehmen, daß die beiden Verse ächt seien und daß Nichts desto weniger δαῖτα die ursprüngliche Lesart sei; denn Homer gebraucht sehr viele Wörter katachrestisch, und so kann hier auch δαῖτα einmal katachrestisch vom Fraße der Thiere gebraucht sein. Die Lesart πᾶσι scheint jedenfalls matter zu sein als die Lesart δαῖτα, Ueber Aristarchs Ansicht steht aus den bis jetzt beigebrachten Zeugnissen nur so viel fest, daß er die beiden Verse für acht hielt, aber nicht δαῖτα las. Aeschylus las δαῖτα; denn er schrieb Suppl. 801 κυσὶν δ' ἔπειϑ' ἕλωρα κἀπιχωρίοις ὄρνισι δεῖπνον οὐκ ἀναίνομαι πέλειν. – In der anderen Stelle, Iliad. 24, 43 lies't Bekker εἶσ' ἐπὶ μῆλα βροτῶν, ἵνα δαῖτα λάβῃσιν in der Ausgabe von 1843, dagegen in der von 1858 εἶσ' ἐπὶ μῆλα, βροτῶν ἵνα δαῖτα λάβῃσιν, – Die Folgenden gebrauchen zweifellos δαίς auch vom Fraße der Thiere: Sophocl. Phil. 957 Eurip. Hecub. 1077 Ion. 505 Theocr. 13, 63 u. s. w., s. Lehrs. Aristarch. p. 164. – Att. Prosa: Plat. Conv. 174 b Phaedr. 247 b Xen. Cyr. 4, 2, 37. – Her. 1, 133. 207. 211.
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112 μαμμᾶν
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113 δηρός
δηρός, ά, όν, lange dauernd; dorisch δᾱρός; ein Wort, welches schon vor Homer als Nomen außer Gebrauch kam; bei Homer findet sich nur der accusat. δηρόν als adverb., dies aber oft. Iliad. 14, 206. 305 verstanden Sophokles und Euripides den Ausdruck δηρὸν χρόνον irrthümlich so, als wenn δηρόν adjectiv. zu χρόνον sei, und hierauf gestützt sagten sie selber πολὺν δαρόν τε χρόνον und im nominativ. δαρὸς χρόνος. So war denn, weil man einen Ausdruck Homers mißverstand, das längst erstorbene Nomen δαρός künstlich wiederbelebt. Das Genauere s. s. v. δηρόν.
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114 δούλη
δούλη, ἡ, die Sklavin, femin. von δοῦλος. Bei Homer kommt δούλη zweimal vor, in verdächtigen Stellen: Odyss. 4, 12 υἱέι δὲ Σπάρτηϑεν Ἀλέκτορος ἤγετο κούρην, ὅς οἱ τηλύγετος γένετο κρατερὸς Μεγαπένϑης ἐκ δούλης, Ἑλένῃ δὲ ϑεοὶ γόνον οὐκέτ' ἔφαινον; es kann wohl keinem Zweifel unterliegen, daß die ganze Stelle Odyss. 3, 486 οἱ δὲ πανήμεριοι – 4, 19 μὸλπῆς ἐξάρχοντος unächt und von den Ordnern des Pisistratus eingeschoben ist, um zwei Lieder zu verbinden, von deren erstem wir den ursprünglichen Schluß in 3, 485 ἐς πεδίον, λιπέτην δὲ Πύλου αἰπὺ πτολίεϑρον vor uns haben, während 4, 20 τὼ δ' αὖτ' ἐν προϑύροισι δόμων αὐτώ τε καὶ ἵππω den ursprünglichen Anfang des zweiten bildet. Die Alten dursten die ganze hier als unächt bezeichnete Stelle nicht für unächt halten, wenn sie nicht den Zusammenhang der Odyssee aufgeben wollten, was sie unter allen Umständen vermieden, s. Sengebusch Recens. von Lauers Gesch. d. Homer. Poesie in, Jahns, Jahrbb. 1853 Bd. 67 Heft 6 S. 625 ff Aber das Hauptstück vom Anfange des 4. Buches der Odyssee, die γαμοποιία, in welcher eben das δούλης vs. 12 erscheint, wurde von Diodorus, einem Schüler des Aristophanes Byz. für unächt erklärt, s. Athen. 5, 180 sect. 9 Eustath. p. 1480, 24. Außerdem aber gab es im Alterthum auch eine Ansicht, nach welcher das δούλης Odyss. 4, 12 Eigenname war, wie Einige z. B. auch das δέκτῃ Odyss. 4, 248 für einen Eigennamen hielten, s. Scholl., u. wie man zweifelte, ob Odyss. 4, 797 ἰφϑίμῃ Eigenname oder Adjectivum sei, s. Scholl. So ward nach den Scholl. u. Eustath. p. 1479, 63 das δούλης für einen Eigennamen gehalten; denn Homer nenne die Sklavinnen nicht δούλας, sondern δμωάς; deshalb werde auch Iliad. 3, 409, εἰς ὅ κέ σ' ἢ ἄλοχον ποιήσεται ἢ ὅ γε δούλην, die einzige andere Homerische Stelle, in der das Wort δούλη erscheint, für unächt erklärt. Allerdings erklärte nach Scholl. Aristonic. Iliad. 3, 395 Aristarch die ganze Stelle Iliad. 3, 396–418 für unächt; allein das δούλην vs. 409 führt Aristonicus unter den Beweisen der Unächtheit nicht mit an. Es würde auch nicht ganz unbedenklich sein, dies Wort als Beweis der Unächtheit gebrauchen zu wollen. Das masculin. δοῦλος hat Homer nirgends, aber es kommen folgende andere Wörter desselben Stammes in folgenden Stellen vor: δούλιος Iliad. 6, 463 Odyss. 14, 340. 17, 323, δούλειος Odyss, 24, 252, δουλοσύνη Odyss. 22, 423. Das 24. Buch der Odyss. ist schon von den Alexandrinern als unächt erkannt, und die Verse Iliad. 6, 463 Odyss. 14, 339. 340. 17, 322. 323. 22, 423 können ohne Störung des Zusammenhanges gestrichen werden; möglich also ist die Annahme, daß auch diese Verse unächt seien, und daß also von der ganzen Familie des Wortes δοῠλος in ächten Homerischen Stellen keine Spur vorkomme. Aber von der Möglichkeit bis zur Gewißheit ist ein großer Sprung, und daraus, daß etwas ohne Störung des Zusammenhanges wegbleiben kann, folgt noch nicht, daß es wegbleiben muß. – Bei Hesiod. scheint aber in der That von der ganzen Familie des Wortes δοῦλος weder in unächten noch in ächten Stellen etwas vorzukommen. – Bei den Attikern ist δούλη wie δοῦλος sehr gebräuchlich; s. z. B. Aesch. Ag. 1326 Soph. Trach. 63 Eur. Iph. T. 132 Aristoph. Lys. 330 Plat. Rep. 3, 395 e ( δοαλας τε καὶ δούλους) Xen. Cyr. 5, 1, 4. – Vgl. δοῦλος.
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115 δογματίζω
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116 δέπας
δέπας, αος, τό, der Becher. Oft bei Homer, in folgenden Formen: nominativ. δέπας, Iliad. 16, 225; accusativ. δέπας, Iliad. 16, 254; dativ. δέπαϊ, Odyss. 3, 41; dativ. δέπαι oder δέπα' oder δέπᾳ Odyss. 10, 316, vgl. Scholl.; dativ. plural. δεπάεσσιν, Iliad. 4, 3; dativ. plural. δέπασσιν Iliad. 15, 86; genitiv. plural. δεπάων Iliad. 7, 480; accusativ. plural. δέπι, kurzes α, der folgende Buchstabe ein Vocal, also zweifelhaft, ob an sich kurz: Odyss. 15, 466 ἠμὲν δέπα ἠδὲ τραπέζας; Odyss. 19, 62 ἠδὲ τραπέζας | καὶ δέπα, ἔνϑεν ἄρ' ἄνδρες ὑπερμενέοντες ἔπινον; Odyss. 20, 153 καϑήρατε δὲ κρητῆρας | καὶ δέπα ἀμφι | κύπελλα τετυγμένα. Das δέπας ist bei Homer wohl überall, wo der Stoff bezeichnet wird, golden, s. z. B. Odyss. 3, 41. 18, 121 Iliad. 6, 220. 23, 196; ein δέπας ἐκ κεράμοιο unter der Ausrüstung des »weisen Cynikers« Antiphil. Byz. 14 ( Plan. 333); Timoth. Cycl. bei Athen. 11, 13 ἓν δέπας κίσσινον μελαίνας σταγόνος ἀμβρότας, ἀφρῷ βρυάζον. Das δέπας, ein Becher zum Trinken, ist bei Homer verschieden vom κρατήρ, dem Mischbecher; ausnahmsweise mischt man in dem sehr großen δέπας des Nestor Iliad. 11, 632 für zwei Personen einen Trank ( κυκειῶ), welchen beide denn auch gleich aus eben diesem δέπας trinken. So erzählt Odysseus auch von der Kirke Odyss. 10, 316 τεῠξε δέ μοι κυκεῶ χρυσέῳ δέπαι, ὄφρα πίοιμι, ἐν δέ τε φάρ μακον ἧκε, also für eine Person. Vgl. über das δέπας des Nestor Lehrs Aristarch. p. 199. Von dem ἄλεισον ist das δέπας nicht verschieden, vgl. Odyss. 3, 41 δέπαϊ u. vs. 46. 51. 63 δέπας mit vs. 50. 53 ἄλεισον; eben so Odyss. 22, 17 δέπας mit vs. 9 ἄλεισον; Athen. 11, 24. Auch κύπελλον bedeutet dasselbe wie δέπας, vgl. Iliad. 24, 285 δέπαϊ mit vs. 305 κύπελλον. Ueber δέπας ἀμφικύπελλον f. s. v. ἀμφικύπελλον. Was die Etymologie von δέπας betrifft, so leitet Curtius Grundzüge der Griech. Etymol. 1, 199 δέπας von der Wurzel Δαπ- her, »theilen«, verwandt δάπτειν, δεῖπνον (entstanden aus δέπινον), so daß das Wort ursprünglich nicht das Gefäß, sondern den in ihm enthaltenen Wein bezeichnet hätte, »ein Maaß«, »eine Portion«; vom Inhalte wäre das Wort auf das Gefäß erst übertragen. Zu dieser Ansicht paßt sehr gut der Homerische Ausdruck δέπας οἴνου, Iliad. 18, 545 τοῖσι δ' ἔπειτ' ἐν χερσὶ δέπας μηλιηδέος οἴνου δόσκεν ἀνὴρ ἑπιών, Odyss. 3, 51 ἐν χερσὶ τίϑει δέπας ἡδέος οἴνου, Odyss. 8, 70 πὰρ δ' ἐτίϑει κάνεον καλήν τε τράπεζαν, πὰρ δὲ δέπας οἴνοιο; doch ist dieser Ausdruck auch wenn δέπας ursprünglich das Gefäß bezeichnet nicht ohne Homerische Analogieen, vgl. Odyss. 9, 196 αἴγεον ἀσκὸν μέλανος οἴνοιο, Odyss. 9, 346 κισσύβιον μετὰ χερσὶν ἔχων μέλανος οἴνοιο; und so könnte man auch an eine Ableitung von der Wurzel Δεκ- denken, δέχομαι, δέπας entstanden aus δέκας, der Becher, den man in die Hand nimmt, der Handbecher, zum Trinken, im Gegensatze zum κρατήρ, dem großen Becher, der stehn bleibt und nur zum Mischen dient. – Nach Griechischen Dichtungen fuhr Helios des Nachts in einem goldenen δέπας von Westen nach Osten durch den Okeanos, s. Pisander, Stesichorus, Antimachus, Aeschylus, Pherecydes bei Athen. 11, 38 u. 39. Theolytos nannte das Fahrzeug einen λέβης, eben so der Dichter der Titanomachie, Panyasis eine φιάλη, Mimnermus eine εὐνή, s. Athen. l. c.; wo es aber δέπας heißt, dachten die Griechen im strengsten Sinne des Wortes an einen freilich wohl ziemlich großen Trinkbecher an ein ποτήριον, s. Athen. l. c. und 11, 16, keineswegs etwa an einen »Nachen« oder »Kahn«, der aus irgend welchen Gründen δέπας nur benannt worden sei.
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117 ναί
ναί, bejahendes Adverbium, bestätigend, daß Etwas so sei, nae, ja, fürwahr; ναὶ μὰ τόδε σκῆπτρον, wahrlich bei diesem Scepter, Il. 1, 234, vgl. H. h. Merc. 460; ναὶ δὴ ταῦτά γε πάντα κατὰ μοῖραν ἔειπες, Il. 8, 146. 18, 128; ναὶ μὰ γὰρ ὅρκον, bei dem Eide, Pind. N. 11, 24; ναὶ λόγος κρατεῖ, Aesch. Pers. 724; öfter bei Soph., ναὶ ναί O. C. 1743; ναὶ μὰ Δία, Eur. Cycl. 552. 582; ναὶ τὰν βοτρυώδη Διονύσου χάριν οἴνας, Bacch. 534, öfter; ναὶ πρὸς τῶν γονάτων, Ar. Pax 1113; ναὶ μὰ Δία u. ähnl. auch in Prosa überall; ναὶ μὰ τὼ Σιώ, Xen. An. 6, 4, 34; auch ναὶ τὼ.Σιώ, Ar. Pax 214 Lys. 81; Xen. Hell. 4, 4, 10. – In Antworten entspricht es ganz unserm ja; Plat. oft, ναί, ἀληϑῆ γε, Theaet. 193 a, u. öfter mit einem solchen einschränkenden γε, also nur vorläufig bejahend, wie auch bei uns auf allerdings oft ein ab er folgt und der Ton andeutet, daß die Bejahung nicht so stark und allgemein ist, freilich wohl, das wohl, ναί, κατὰ σχολήν γε ἴσως, Soph. 226 e, ναὶ στρατιωτικάς γε, ἀλλ' οὐ χρηματιστικάς, Rep. III, 415 e; Sp.; Plut. de esu carn. II, 999 b; ναὶ ναί dem οὔ, οὔ entggestzt, N. T.; auch sonst findet es sich doppelt, Ar. Nubb. 1451; Agath. 5 (V, 276). Vgl. übrigens νή u. μά.
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118 δαΐ-φρων
δαΐ-φρων, ον, Hometisches Epitheton von Personen. Formen: δαΐφρων, δαΐφρονος, δαΐφρονι, δαΐφρονα, vocativ. δαΐφρον Iliad. 4, 93. 5, 277, vgl. Scholl. Herodian. Iliad. 3, 182. Die Bedeutung kann sein: 1) tapfer, kriegerisch, 2) klug, verständig. Vgl. z. B. Scholl. Odyss. 1, 48 δαΐφρονι: πολεμόφρονι. δαΐς γὰρ ἡ μάχη. ὅταν δὲ ἐπὶ τῆς Πηνελόπης λέγῃ. δεδαηκυίᾳ κατὰ φρένας, τουτέστι μεμαϑηκυίᾳ, ἐξ οὗ τὴν συνετὴν καὶ σώφρονα βούλεται δηλοῦν. Beide Bedeutungen lassen sich vielleicht nicht scharf sondern; vgl. Odyss. 2, 61 οὐ δεδαηκότες ἀλκήν, Iliad. 6, 444 ἐπεὶ μάϑον ἔμμεναι ἐσϑλὸς αἰεὶ καὶ πρώτοισι μετὰ Τρώεσσι μάχεσϑαι. Vielleicht ist eine gemeinsame Grundbedeutung anzunehmen, vielleicht kommt die so häufige Homerische Figur der Katachrese in's Spiel. Entschieden zu verwerfen ist die Ansicht Buttmanns Lexilog. 1 S. 200, das Wort δαΐφρων habe in der Ilias durchweg (eine vereinzelte Stelle abgerechnet) die Bedeutung » kriegerisch«, in der Odyssee eben so durchweg die Bedeutung »einsichtsvoll«. Es ist ein Irrthum einer früheren Periode der Homerischen Forschung, daß in dieser Weise die Odyssee auch sonst sprachlich der Ilias gegenüberstehe. Beide Gedichte oder vielmehr Gedichtsammlungen bestehen aus einer Reihe von Liedern verschiedener Dichter, und manche Lieder der Odyssee sind verwandter mit einzelnen Liedern der Ilias als mit den andern Liedern der Odyssee. Erst dann, wenn alle diese Lieder beider Sammlungen genauer gesondert sein werden, läßt sich feststellen, welchen Begriff jedes einzelne Lied mit δαΐφρων verband. Vielleicht wird sich dann zeigen, daß ein oder das andere Lied gar keinen klaren Begriff mit δαΐφρων verband. Vgl. ἀμύμων und βλεμεαίνω. Bei der Untersuchung über δαΐφρων wird jedenfalls vor Allem auf das formelhafte Wesen der Homerischen Poesie und die Entlehnungen und Nachahmungen Rücksicht zu nehmen sein. Ein deutliches Beispiel bietet die Formel Ὀδυσῆα δαΐφρονα ποικιλομήτην: Odyss. 22, 115 ἔστανδ' ἀμφ' Ὀδυσῆα δαΐφρονα ποικιλομήτην, 202 βήτην εἰςὈδυσῆα δαΐφρονα ποικιλομήτην, 281 τοὶ δ' αὖτ' ἀμφ' Ὀδυσῆα δαΐφρονα ποικιλομήτην, Odvss. 3, 163 ἀμφ' Ὀδυσῆα ἄνακτα δαΐφρονα ποικιλομήτην, Odyss. 7, 168 χειρὸς ἑλὼν Ὀδυσῆα δαΐφρονα ποικιλομήτην, Iliad. 11, 482 ὥς ῥα τότ' ἀμφ' Ὀδυσῆα δαΐφρονα ποικιλομήτην. Eine andere Formel ist υἱὲ δαΐφρονος ἱπποδάμοιο: εὕδεις, Ἀτρέος υἱὲ δαΐφρονος ἱπποδάμοιο Iliad. 2, 23. 60, ὤ μοι, Τυδέος υἱὲ δαΐφρονος ἱπποδάμοιο Iliad. 4, 370, ὦ Σῶχ' Ἱππάσου υἱὲ δαΐφρονος ἱπποδάμοιο Iliad. 11, 450. Was heißt das aber? Heißt es » klug und tapfer?« Oder heißt es » kriegerisch und tapfer«? Mit allgemeinen Betrachtungen und Reden ist es hier nicht gethan! Der Homerische Sprachgebrauch muß beobachtet, die ähnlichen etwa sich findenden Formeln müssen gesammelt und untersucht werden. Die Erklärung » kriegerisch und tapfer« ist Ὁμηρικωτέρα: es ist die so häufige Homerische Figur ἐκ παραλλήλου, Wenn aber δαΐφρονος ἱπποδάμοιο » kriegerisch und tapfer« heißt, dann ist die höchste Wahrscheinlichkeit da, daß δαΐφρονα ποικιλομήτην überall » verstandig und klug« heißt, ebenfalls ἐκ παραλλήλου. Dann heißt also δαΐφρων in einem der edelsten Theile der Ilias (11, 482, vgl. Lachmann Betrachtungen über Homers Ilias S. 38, zehntes Lied) entschieden = » klug«, nicht » tapfer«. Ein Beispiel anderer Art bietet der Name Polybos: Odyss. 15, 519 heißt Polybos, der Vater des Eurymachos, δαΐφρων; Odyss. 22, 243 heißt ein anderer Polybos δαΐφρων, einer der Freier; Odyss. 8, 373 heißt ein dritter Polybos δαΐφρων, ein Künstler unter den Phäaken. Man darf mit großer Wahrscheinlichkeit annehmen, daß das Epitheton entweder mit dem Namen oder wegen der in der Sage schon vorhandenen Gleichnamigkeit aus einem Liede in andere Lieder für andere Personen hinübergenommen sei; die älteste der drei Stellen scheint, aus anderweitigen Gründen, Odyss. 8, 373 zu sein. – Auch die var. lect. muß sorgfältig beobachtet werden; man denke z. B. an περίφρων und πολύφρων. Anstatt Ἀντιμάχοιο δαΐφρονος las Zenodot Ἀντιμάχοιο κακόφρονος Iliad. 11, 123. 138, s. Scholl. (Didym. oder Aristonic., unbestimmt). Der Vers Odyss. 1, 83 νοστῆσαι Ὀδυσῆα δαΐφρονα ὅνδε δόμονδε lautet in anderen Stellen νοστῆσαι (νοστήσειν) Ὀδυσῆα πολύφρονα ὅνδε δόμονδε, Odyss. 14, 424. 20, 239. 329. 21, 204. – Uebersicht von Personen, denen das Epitheton δαΐφρων bei Homer gegeben wird: 1) Weiber: a) Des Laertes Frau, ohne Nennung des Namens, κουριδίης τ' ἀλόχοιο δαΐφρονος, Odyss. 15, 356. – b) Penelope, nach dem oben vorgelegten Schol. Odyss. 1, 48, auch nach Eustath. Odyss. 21, 6 p. 1897, 63 εἰ δὲ δαΐφρων ἡ Πηνελόπη ἐρρέϑη που ὡς ἀνδρεία γυνή, ἁρμόττει ( leg. ἁρμόττοι?) ἂν αὐτῇ διὰ τοῠτο καὶ ἡ παχεῖα χείρ διὰ τὸ τοῖς ἀνδρείοις τοιαῦτα ὡς ἐπὶ πολὺ τὰ ἀκρωτήρια εἶναι. Auf welche Stelle oder welche Stellen sich Eustathius und das Scholium beziehen, ist ungewiß; es paßt in jeder Beziehung, auch in Hinsicht auf die Lieder-Eintheilung der Odyssee, die Stelle Odyss. 15, 41, wo wir im Text haben ἀγγελίην ἐρέοντα περίφρονι Πηνελοπείῃ. – c) Auch Kirke mag das Epitheton δαΐφρων in irgend welcher Lesart gehabt haben; vgl. Eustath. Odyss. 8, 448 p. 1604, 28 τὸ δὲ δέδαε φρεσί δαΐφρονα συνϑέτως βούλεται καὶ τὴν Κίρκην εἶναι· ὅϑεν καὶ διδάσκαλος ποικίλου δεσμοῠ τῷ ποικιλό φρονι γίνεται Ὀδυσσεῐ. – In der That scheint den Alten das Epitheton δαΐφρων bei Weibernamen im Homer an sich unbedenklich und geläufig gewesen zu sein; man vgl. unten δαΐφρονι Περσεφονείῃ, δαΐφρων Ἀλκμήνα, δαΐφρονι Πενϑεσιλείῃ, δαΐφρων Τριτογένεια. All das würde nicht gesagt worden sein, wenn nicht die betreffenden Dichter an Homers unzweifelhaften Vorgang, wenn auch nicht grade bei denselben Namen, geglaubt hatten. – 2) Männer: Achilleus Iliad. 17, 654; Aeneas Iliad. 20, 267; Ajax Telamon. Iliad. 17, 123; Alkinoos Odyss. 8, 8; Anchialos, Vater des Taphiers Mentes, Odyss. 1, 180; Antilochos Iliad. 13, 418; Antimachos, ein Troer, Iliad. 11, 123; Atreus Iliad. 2, 23; Bellerophontes Iliad. 6, 162; Diomedes Iliad. 5, 181; Hippasos, ein Troer, Iliad. 11, 450; Idäos, der Herold des Priamos, Iliad. 24, 325; Idomeneus Iliad. 4, 952; Kebriones, Wagenlenker des Hektor, Iliad. 16, 727; Meriones Iliad. 13, 164; Odysseus Odyss. 1, 83; Orsilochos, Messenier, Odyss. 21, 16; Pandaros Iliad. 4, 93; Peleus Iliad. 18, 18; Peneleos Iliad. 14, 487; Phorkys, ein Troer, Iliad. 17, 312; Polybos, Vater des Eurymachos, Odyss. 15, 519; Polybos, einer der Freier, Odyss. 22, 243; Polybos, Künstler unter den Phäaken, Odyss. 8, 373; Priamos Iliad. 9, 651; Sokos, ein Troer, Iliad. 11, 456; Telemachos Odyss. 4, 687; Tydeus Iliad. 4, 370. Hektor scheint nirgends δαΐφρων zu heißen, während nicht nur sein alter Vater Priamos, sondern auch sein Wagenlenker Kebriones dies Epitheton hat. Man sieht hier wieder, wie augenscheinlich der Zufall im Homer ein weites Gebiet beherrscht. Ist auch das ein vorgelegten Stelle δαΐφρων heißt, Iliad. 11, 482? In der Odyssee heißt Odysseus δαΐφρων 1, 48. 83. 3, 163. 7, 168. 8, 18. 21, 223. 379. 22, 115. 202. 281. Ist es Zufall, daß z. B. im 1. Buche der Ilias das Wort δαΐφρων gar nicht vorkommt, aber im 11. Buche acht Mal, vs. 123. 138. 197. 450. 456. 482. 791. 839? So im 2. Buche der Odyssee δαΐφρων gar nicht, im 1. Buche dagegen vier Mal, vs. 48. 83. 180. 418; im achten Buche der Odyssee fünf Mal, vs. 8. 13. 18. 56. 373, dagegen im 17. u. 18. Buche der Odyssee gar nicht. So viel steht aus anderen Gründen fest, daß das 17. u. 18. Buch der Odyssee ein zusammenhängendes Lied eines Dichters sind, abgerechnet größere wie kleinere Interpolationen; und das 1. u. das 2. Buch der Odyssee sind zwei in ihrem Wesen sehr verschiedene Lieder, von verschiedenen Dichtern. – Bei den Auctoren nach Homer erscheint ebenfalls δαΐφρων als Epitheton von Personen: Hesiod. O. 654 δαΐφρονος Ἀμφιδάμαντος; Scut. 119 Iolaos δαΐφρων; Hymn. Homeric Cerer. 360 δαΐφρονι Περσεφονείῃ; Pind. P. 9, 84 δαΐφρων Ἀλκμήνα; Quint. Sm. 1, 47 δαΐφρονι Πενϑεσιλείῃ; 1, 128 δαΐφρων Τριτογένεια. – Von Sachen: Acschyl. Sept. 917 γόος δαΐφρων, Dindorf. δαϊόφρων; Quint. Sm. 1, 218 ἀλκῆς δαΐφρονος, mit μνήσασϑαι, ἀλκῆς μνησώμεσϑα δαΐφρονος, wie ταιτο δὲ ϑούριδος ἀλκῆς Odyss. 4, 527, μνησάσκετο ϑούριδος ἀλκῆς Iliad. 11, 566.
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119 νη-
νη-, verneinendes Präfixum, bes. der Adjectiva, doch meist nur im Gebrauch bei Dichtern, z. B. νηκερδής, νήποινος, νημερτής. Die bei νέποδες von Einigen angenommene Verkürzung in νε findet sich bei anderen analogen Wörtern nirgends; eben so wenig zeigt sich irgendwo eine verstärkende Bdtg. Mit ἀν – und ἄνευ hängt νη – schwerlich zusammen, welches vielmehr nichts Anderes zu sein scheint als eine abgeschwächte Nebenform der Negation μή. Daß mit dieser die Lateinische Negation nē nicht nur der Bedeutung, sondern auch dem Ursprunge nach identisch sei, wird sich schwerlich läugnen lassen; da wäre also dieselbe Abschwächung des μ zu ν. Das Lateinische Fragewort nĕ braucht man bei dieser Annahme von der Negation nē nicht zu trennen; in allen Sprachen werden Negationen als Fragewörter gebraucht, »hast du es nicht gethan?« Die Abänderung der Bedeutung wird durch die Verkürzung des e im Frageworte angezeigt. Im Sanskrit finden sich zwei Negationen mâ und na, Ved. nâ neben einander; welcher Umstand sich als Grund gegen das hier Vermuthete nicht geltend machen läßt; denn warum sollten wohl nicht im Sanskrit eben solche Abschwächungen und Spaltungen von Wörtern eintreten, wie im Griechischen und Lateinischen?
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120 μηρίον
μηρίον, τό, singul. Posidon. bei Ath. IV, 154 h; sonst nur im plur. μηρία, τά, auch μῆρα, die aus den Schenkeln, μηροί, der Opferthiere geschnittenen Schenkelknochen, welche beim Opfer mit Fett umwickelt und verbrannt wurden; vollständig wird dieser Opfergebrauch beschrieben Od. 3, 456, ἄφαρ δ' ἐκ μηρία τάμνον, sie schnitten die Knochen aus den Schenkeln, κατὰ δὲ κνίσσῃ ἐκάλυψαν, δίπτυχα ποιήσαντες, umhüllten sie mit einer doppelten Lage Fett (vgl. 17, 241, ἐπὶ μηρί' ἔκηε, καλύψας πίονι δημῷ), ἐπ' αὐτῶν δ' ὠμοϑέτησαν, legten kleine Stücke Fleisch darauf (vgl. Il. 1, 460), καῖε δ' ἐπὶ σχίζῃς ὁ γέρων, und der Alte verbrannte sie. So die Alten, obwohl sich z. B. Apoll. L. H. allgem. ausdrückt: μηρία τὰ ἐκ τῶν μηρῶν ἐξαιρούμενα καὶ ἱεροϑυτούμενα (vgl. μηρός). Voß, bes. mythol. Briefe, II p. 303 ff., u. nach ihm andere Neuere, Schneider, dem Nitzsch zur angeführten Stelle beistimmt, erklären es für Schenkelfleisch, da den Göttern gewiß das beste aus dem Innern der Schenkel herausgeschnittene Fleisch geopfert sei; die einzige, bestimmt vom Knochenopfer sprechende Stelle, Hes. Th. 535 ff., zeige, daß es ein Lokalopfer in Mekone gewesen; u. Od. 3, 85 stehe κρέ' ὑπέρτερα den μηρία, als das von den Menschen gegessene, entgegen; dies aber ist im Ggstz der σπλάγχνα zu nehmen, wie es 461 heißt αὐτὰρ ἐπεὶ κατὰ μῆρ' ἐκάη καὶ σπλάγχν' ἐμπάσαντο, μίστυλλον δ' ἄρα τἄλλα. – Das öfter vorkommende κατὰ πίονα μηρί' ἔκηα, Il. 1, 40 u. s. w., geht nur auf die Fettumhüllung; vgl. 8, 240 ἐπὶ πᾶσι (βωμοῖς) βοῶν δημὸν καὶ μηρί' ἔκηα u. μ. πιανϑέντα Theocr. 17, 126. Auch Ποσειδάωνι δὲ ταύρων πόλλ' ἐπὶ μῆρ' ἔϑεμεν, Od. 3, 179, auf den Altar legen, wie αἶγας ἄγειν, ὄφρ' ἐπὶ μηρία ϑέντες Ἀπόλλωνι 21, 267; ἀγλαὰ μηρία, bei Hes. O. 336, entweder fettglänzende Schenkelknochen, od. herrliches, stattliches Schenkelfleisch; auf Opfer geht es auch bei Soph., μυδῶσα κηκὶς μηρίων, Ant. 995; οὐ δέχονται λιτὰς ἔτι ϑεοὶ παρ' ἡμῶν οὐδὲ μηρίων φλόγα, 1007; τὰ μηρί' ἐξελὼν δεῦρ' ἔκφερε, Ar. Pax 986; τῶν μηρίων τὴν κνῖσαν οὐ διαφρήσετε, Av. 193, vgl. 1517; er sagt auch ἐκαύσατε μῆρα ϑεοῖσιν, Pax 1054; aber τὸ τρυφερὸν γὰρ ἐμπέφυκε τοῖς ἁπαλοῖσι μηρίοις ist falsche Lesart für das richtige μηροῖς, Eccl. 903; vgl. Bion. 1, 84.
См. также в других словарях:
sei es ... — sei es … Deutsch Wörterbuch
sei es — sei es … Deutsch Wörterbuch
sei — sèi agg.num.card.inv., s.m.inv., s.f.pl. FO 1a. agg.num.card.inv., che è pari a cinque unità più una (nella numerazione araba rappresentato con 6, in quella romana con VI): sei chili di patate, un esagono ha sei lati e sei angoli, sei mesi fa |… … Dizionario italiano
Sei — can refer to:*Sei whale *Software Engineering Institute *Sei Ashina, an actress *Seri language, sei is the ISO 639 code of that language *Space Exploration Initiative … Wikipedia
sei (1) — {{hw}}{{sei (1)}{{/hw}}[6 nella numerazione araba, VI in quella romana] A agg. num. card. inv. Indica una quantità composta di cinque unità più una. B s. m. Il numero sei e il segno che lo rappresenta. sei (2) {{hw}}{{sei (2)}{{/hw}}V. essere (1) … Enciclopedia di italiano
seiþi- — *seiþi , *seiþiz, *sīþi , *sīþiz germ., Adverb (Komparativ): nhd. später; ne. later; Rekontruktionsbasis: got., an., ae., afries., as., ahd.; Etymologie: s … Germanisches Wörterbuch
SEI — ist eine Abkürzung für: Stockholm Environment Institute Software Engineering Institute, ein Forschungs und Entwicklungszentrum in den Vereinigten Staaten von Amerika Solid electrolyte interphase, siehe Lithium Titanat Akkumulator Structural… … Deutsch Wikipedia
seiþan — *seiþan, *sīþan germ., stark. Verb: nhd. zaubern; ne. do (Verb) magic; Rekontruktionsbasis: an., ae.; Etymologie: s. ing. *seito , *soito , Substantiv … Germanisches Wörterbuch
SEI — may stand for:*Structural Engineering Institute *Science Education Institute *Seebeck Effect Imaging *In Socionics, a Sensory Ethical Introvert. *Service Endpoint Interface *Software Engineering Institute *Space Exploration Initiative *Square… … Wikipedia
SEI — sigla 1. Società Editrice Internazionale 2. Società Entomologica Italiana … Dizionario italiano
sei — dis·sei·sor; is·sei; mon·sei·gneur; ni·sei; san·sei; sei; sei·cen·to; sei·del; sei·gnette; sei·gneur; sei·gneu·ri·al; sei·gneury; sei·gnior; sei·gnior·age; sei·gniory; sei·gno·ri·al; sei·sin; sei·so·na·cea; sei·so·nid·ea; sei·u·rus; sei·zor;… … English syllables